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Prosawerk / Briefe / Rilke Gedichte.

Rilkes PROSAWERK

Neben seiner umfassenden lyrischen Arbeit betätigte sich Rilke auch als Rezensent, Theaterkritiker, Verfasser von Monographien (z.B.: Auguste Rodin), von Aufsätzen für Zeitschriften und als Übersetzter. 
Dies waren zumeist Auftragsarbeiten, die dem oftmals unter Geldnot leidenden Dichter zur Aufbesserung der Finanzen dienten.
In seinen Anfängen versucht er sich als Schrei-ber von Dramen im naturalistischen Genre. Er verfasste insgesamt 14 Dramen, jedoch keine Theaterdramen im klassischen Sinn, da sie meist nur aus einigen Szenen bestehen, sein längstes („Im Frühfrost“) umfasst drei Akte.

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Rilkes Erfolgsroman
Die Aufzeichnungen des
Malte Laurids Brigge


Der Roman mit dem Rainer Maria Rilke bereits zu Lebzeiten großen Erfolg hatte und der im Hinblick auf seinen eigenen Lebenslauf deutliche autobiographischen Züge aufweist.
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Vor allem in seinem Frühwerk finden sich etliche Erzäh-lungen, die teilweise stark autobiographische Züge aufweisen („Pierre Dumont“, „Die Turnstunde“, „Der Apostel“), die aber zu seinen weniger bekannten Werken gehören.
Seine bekanntesten Prosawerke, „DIE WEISE VON LIEBE UND TOD DES CORNETS CHRISTOPH RILKE“ und „DIE AUFZEICHNUNGEN DES MALTE LAURIDS BRIGGE“, verkauften sich dagegen schon zu seinen Lebzeiten sehr gut.
Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke
entstand 1899, laut Rilkes Aussagen in einer einzigen Nacht geschrieben, und wurde 1906 veröffentlicht. Die Prosa-dichtung behandelt den Heldentod eines jungen Fahnenträgers im österreichischen Türkenkrieg und wurde zu Rilkes kommerziell erfolgreichstem Buch.

Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge handeln von einem jungen Dänen aus gutem Hause, der sein Zuhause verlässt und nach Paris geht, um zu schreiben. 
In diesem, seinem längsten, Prosastück, gibt er der biblischen Parabel vom verlorenen Sohn eine neue Bedeutung: Traumatisiert von der Großstadt Paris, werden in ihm Kindheitserinnerungen wach, Erinnerungen an die erdrückende Last der Liebe seiner Mutter. Malte ist der verlorene Sohn, der seine Familie verlassen hat, weil er nicht geliebt werden wollte. In Paris aber erlebt er die Erinnerungen als „eine Kindheit, die noch nicht getan war“ und die Heimkehr wird zur Arbeit. Er erlebt die Liebe der Familie als etwas, das nicht ihn betrifft, sondern nur die Bilder, die sie sich von ihrem Sohn geschaffen hatten.

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Lou Andreas-Salomé und Rilke - eine amour fou
Lou Andreas Salomé, eine der unkonventionellsten Frauen ihrer Zeit, die neben Rilke auch enge Vertraute Nietzsches und Freuds gewesen ist.
1897 lernten sie sich in München kennen, 1899 und 1900 reisten sie nach Rußland, kurz danach trennten sie sich und verwandelten ihre Liebe in eine lebenslange Freundschaft. Gunna Wendt erzählt die Geschichte dieser amour fou.


Rilkes BRIEFWECHSEL

Ich gehöre zu den Menschen, den altmodischen, die den Brief noch für ein Mittel des Umgangs halten, der schönsten und ergiebigsten eines. (Rainer Maria Rilke)
Rilkes umfassender Briefwechsel kann als eigenständiger Teil seines Werkes betrachtet werden. In seinem Testament überließ er die Rechte zur Veröffentlichung dem Insel-Verlag. Mehr als 6000 Briefe sind bisher veröffentlicht worden, was allenfalls Rückschlüsse auf einen immensen Umfang zulässt, einen Umfang, der das dichterische Werk sogar noch übertrifft: Einschlägigen Schätzungen nach existieren mindestens 10 000 Briefe.
Rilkes Briefe dienen dem oft Einsamen als Mittel der menschlichen Kommunikation, helfen ihm aber auch über Schaffenskrisen hinweg.
Nicht zuletzt betrachtet er die Korrespondenz als ein „Üben von täglicher Arbeit“.
Seine Briefwechsel geben einen großartigen Einblick in seine Lebenshaltung, seine Beziehungen und sein Schaffen. Als besonders aufschlussreich sind folgende Briefwechsel zu erwähnen:
Briefe an einen jungen Dichter: 
Rilke beantwortet dem jungen Offizier Franz Xaver Kappus in den Jahren 1903, 1904 und 1908 Fragen zum Künstlertum und Schreiben.
Briefwechsel Rilke - Lou Andreas-Salomé: Das Dokument einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung, die sich über die Jahre hinweg zu einer Seelenverwandtschaft wandelt.
Briefwechsel Rainer Maria Rilke – Marie von Thurn und Taxis: Die Fürstin ist ihm ein Leben lang Förderin und Freundin
Briefe an eine junge Frau: 
Rainer Maria Rilke schreibt an Lisa Heise
Briefwechsel  Rilke – Ellen Key: 
Der sehr persönliche Briefwechsel mit der schwedischen Schriftstellerin und Pädagogin enthält auch Briefe von und an Clara Rilke-Westhoff
Briefwechsel Rilke – Anton Kippenberg:
Briefe an seinen Verleger (Insel-Verlag)
Briefwechsel Rainer Maria Rilke – Nanny Wunderly-Volkart: 
Enge Vertraute und mütterliche Freundin Rilkes in seinen letzten Jahren in der Schweiz

Die Erzählungen
Versammelt sind hier Rainer Maria Rilkes sämtliche Erzählungen, Novellen, Skizzen und erzählerischen Fragmente - ausgenommen die Geschichten vom lieben Gott, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge und die Prosagedichte
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LYRISCHES WERK

Dieser große Lyriker hat nichts gemacht, als dass er das deutsche Gedicht zum erstenmal vollkommen gemacht hat…er war in gewissem Sinn der religiöseste Dichter seit Novalis, aber ich bin nicht sicher, ob er überhaupt Religion hatte.“  (Robert Musil)

Rilke gehört nach Goethe zu den meist gelesenen deutschsprachigen Autoren- aber er ist wohl derjenige, der am stärksten polarisiert: entweder man hasst ihn oder man liebt ihn.
Rilke beschreibt Wahrnehmungen mit einer noch nie da gewesenen Sprachgewalt, vermittelt Bewusstseinszustände in einzigartiger Form. Charaktere spielen bei ihm eine untergeordnete Rolle, ihm sind die Darstellung von Atmosphäre und Stimmung wichtiger, deren Auslöser für den Leser meist im Verborgenen bleiben, allenfalls vermutet werden können.
Sein Werk ist durchflochten von den Erlebnissen einer ungewöhnlichen Kindheit, seiner religiösen Erziehung und den Erfahrungen in fremden Ländern. Die Eindrücke von der Großstadt Paris und der oftmalig empfundenen Einsamkeit finden ebenso Eingang in sein lyrisches Werk wie seine Schwärmereien und Liebesgeschichten. Niemals aber werden die wahren Motive eindeutig ausgesprochen, sie lassen Raum für Vermutungen.
Das ist es, was Rilke beherrscht wie kein anderer vor und nach ihm: Eindeutige Stimmungen zu schaffen, die aber nie wortwörtlich ausgesprochen werden. 
Rilke selbst sieht sich als einen Künstler, der den Auftrag hat zu schreiben, was ihn oft in tiefe Schaffenskrisen stürzt, die dann wiederum in eine wahre Arbeitswut umzuschlägt.
„…sein, was ich bin, leben, was mir zu leben gesetzt war, klingen wollen, was keiner sonst klingen kann, die Blüten bringen, die meinem Herzen befohlen sind: das will ich – und das kann doch nicht Überhebung sein.“   
(aus einem Brief Rilkes an Ellen Key, 3.4.1903)

Rilke - Künstlerische Querverbindungen

Wie so oft in der Literaturgeschichte kreuzen sich die Wege großer Dichter, Literaten, Bildhauer und anderer Kunstschaffender. Ihr Schaffen beeinflusst das Werk anderer Künstler, bezieht sich auf selbiges oder wird dadurch inspiriert. Es sind äußerst fruchtbare Beziehungen, die sich zwischen den Großen der Kunst- und Literaturgeschichte bildeten und immer noch bilden.

Rainer Maria Rilke wurde seinerseits stark von Lou Andreas-Salomé beeinflusst, die weitgereiste Literatin, in die er sich schließlich auch verliebte und zu der er eine mehrjährige Affäre unterhielt. Als Muse und Mutter Rilkes wurde sie vom Psychoanalytiker Freud bezeichnet. In seiner mittleren Schaffensperiode befasste sich Rilke sehr eingehend mit dem Werk des Malers Cezanne sowie mit den Plastiken Auguste Rodins. Goethe und Shakespeare inspirierten Rilke als er in einer Schaffenskrise steckte. Auch Nietzsches Philosophie hatte Rilke stark beeinflusst.

Es war Lou Andreas- Salomé die Rilke 1899 auf eine Russlandreise mitnahm. Dort lernte Rilke den großen Tolstoi kennen. Als 16-jähriger hatte Rilke das Werk Tolstois bereits für sich entdeckt. Er verehrte Tolstoi und sah in ihm einen „ewigen Russen“.  Andererseits konnte sich Rilke, zumindest in seiner frühen und mittleren Schaffensphase nicht mit Tolstois Streitschrift "Was ist Kunst?" (1898) anfreunden. In dieser vertrat Tolstoi die Meinung, dass Kunst für das Volk sei. Einen Meinung die Rilke nicht unbedingt teilte, bemerkte er doch selbst im „Florenzer Tagebuch“, dass die Kunst von Einsamen zu Einsamen gehe, in hohem Bogen über das Volk hinweg.

Zweimal reist Rilke mit Lou Andreas- Salomé nach Russland. Bei seinem ersten Besuch traf er Tolstoi in seinem Moskauer Winterhaus, der zweite Besuch führte Rilke auf dessen Landgut. Ein Besuch der Rilke sehr faszinierte. Die Landschaft  und die Menschen  beeindruckten Rilke tief und diese Impressionen fanden später auch Eingang in Rilkes „Stunden-Buch“.

Ähnlich wie wir heute eine Sprachreise Frankreich, eine Sprachreise Spanien oder einen Kultururlaub in die Türkei antreten, um unseren Horizont zu erweitern, unternahmen Künstler zu allen Zeiten Reisen ins Ausland. Rilke studierte in Prag und München, verbrachte Zeit in der Schweiz, in Frankreich (er wohnte in Paris) sowie in Italien. Rilke sponn ein Beziehungsnetz zu Gräfinnen, Fürstinnen und anderen adligen Damen in ganz Europa, die sich zum Teil als seinen Mäzeninnen zeigten. Rilke wurde eingeladen in deren Schlössern zu verweilen. Der Dichter lebte an nicht weniger als 100 Orten in sage und schreibe 12 verschiedenen Ländern.

Umgekehrt hat natürlich auch Rilkes eigenes Werk sowie seine Person Einfluss auf Künstler seiner Zeit sowie kommende Dichtergenerationen. Die Pianistin Magda von Hattingberg war so von Rilke angetan, dass sie ihm 1914 einen Brief schrieb. Mit diesem gelang es ihr den Dichter so zu bezirzen, dass eine leidenschaftliche Affäre mit der Musikerin begann. Während einige Menschen, den Dichter nur über eine kurze Zeit hinweg begleiteten, waren andere, darunter besonders Frauen, lebenslange Begleiter. Besonders zu erwähnen sind hier Lou Andreas-Salomé sowie die Fürstin von Thurn und Taxis.

Und heute noch ist Rilke als einer der bedeutendsten Dichter des 20. Jahrhunderts gegenwärtig. „Wer jetzt kein Haus baut, baut sich keines mehr, wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben.“ so meinte Ex-Bundeskanzler Schröder bei seinem Antrittsbesuch in Frankreich 1998. Auch auf dem politischen Parkett wird also in diesem Fall aus Rilkes „Herbstgedicht“ zitiert.