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Rilkes Symbolismus

Lyrischer Symbolismus
In der modernen Literatur steht das Symbol für ein Wort, dem im Rahmen des Textes eine neue, unübliche, oftmals verschlüsselte Bedeutung zukommt.
Der Symbolismus ist nicht auf wenige Dichter oder einen bestimmten Zeitraum beschränkt. Schon die Minnesänger verwendeten dieses stilistische Mittel, um abstrakte Vorstellungen zu veranschaulichen, und auch Goethe verwandelte damit seine Ideen in Bilder. Das Symbol stand für einen allgemeineren Überbegriff, wie zum Beispiel die weiße Lilie als ein Symbol der Reinheit.
Als Wegbereiter dieses neuen Symbolismus gelten die Franzosen Charles Baudelaire, Paul Verlaine und Stéphane Mallarmé. In der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts traten sie gegen den französischen Naturalismus auf und wollten in ihren Gedichten eine autonome Welt der Kunst schaffen, die sich in Symbolen zu erkennen gibt. Diese absolute Dichtung, “poésie pure“, genügte sich selbst,  „l’art pour l’art“, und diente keinem fremden Zweck, noch verfolgte sie politische oder soziale Interessen.

Rilkes Symbolismus
Rilke erarbeitete eine besondere Art des Symbolismus, er wollte in seinen Gedichten keine Gefühle zum Ausdruck bringen, sondern seine Erfahrungen. Gleich zu Beginn seiner "Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge", seinem einzigen Roman, der eindeutig stark autobiographische Züge aufweist, beschreibt er Ziel und Motiv seines Schaffens mit folgenden Worten : "Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), - es sind Erfahrungen."
Er möchte das Wesen aller Dinge erfassen, er will keine zufälligen Wahrnehmungen 
skizzieren, sondern will die Dinge und Er- scheinungen klar und unmissverständlich für sich selbst sprechen lassen. Er hat den Begriff der "Dinggedichte" geprägt, in denen  er die Dinge aus jeglicher Zufälligkeit der Wahr- nehmung befreit, keine Unklarheiten zulässt.

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Dieser imaginative Symbolismus wird zu Rilkes Programm, um die Dinge aus ihrer alltäglichen Umklammerung zu lösen. Dinge und Erscheinungen sollen durch seine Worte ewige und allgemeine Gültigkeit erlangen.
"Das Ding ist bestimmt, das Kunst-Ding muss noch bestimmter sein ; von allem Zufall fortgenommen, jeder Unklarheit entrückt, der Zeit enthoben und dem Raum gegeben, ist es dauernd geworden, fähig zur Ewigkeit." schreibt Rilke 1903 in einem Brief.
Was Rilke ausdrücken wollte, waren von Emotionen ausgelöste Bewusstseinszu- stände, die sich entwickelt haben. Gefühle, die nicht nur als spontane Wahrnehmung in einen Menschen gedrungen sind, sondern eine Veränderung, bzw. eine Entwicklung bewirkt haben, eine positive Entwicklung, die einem seinem Ziel näher brachte, näher zu sich selbst.
Durch allgemein bekannte Bilder von Dingen und Natur wollte er diese Erfahrungen veranschaulichen, ihre Logik vermitteln und sie so für den Außenstehenden zugänglich machen. Der Panther, dieses furchtein- flößende Raubtier, von dem jeder weiß, wie gefährlich es ist, welche Kraft ihm seine natürlichen Instinkte verleihen, ist hilflos und eingesperrt in seinem Käfig. Die Besucher des Zoos sehen zwar ein gefährliches Raubtier, aber da sie wissen, dass er eingesperrt ist, haben sie weniger Angst vor ihm, sie ist ihnen aber dennoch bewusst. Und genauso sieht sich auch der Panther:
Manchmal flackert in seinen Augen noch der naturgegebene Jagdtrieb auf, er verleugnet ihn nicht, doch er weiß, dass er ihm in seinem Käfig nichts nützt, dass er ihn nicht braucht. Die Erfahrung hintern den Gitterstäben des Käfigs hat es ihn gelehrt.
Der Panther als Symbol für Kräfte und Fähigkeiten, die durch äußere Umstände (den Käfig) und das eigene Leben (das Leben im Käfig) nutzlos geworden sind.